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Die Planeten

Götter, Wanderer und Wochentage

Vor etwa 4,6 Milliarden Jahren begann eine gigantische Gas- und Staubwolke im All, ausgelöst durch äußere Einflüsse wie z.B. eine nahe Supernova-Explosion, zu kollabieren und sich zu verdichten. Die Gravitation im Zentrum wuchs und immer mehr Materie wurde hineingezogen. Fast die gesamte Materie der Wolke stürzte ins Zentrum, wo Druck und Temperatur so weit anstiegen, dass schließlich Kernfusionsprozesse im Inneren zündeten, bei denen Wasserstoff zu Helium verschmolzen wird. Ein Stern war entstanden. Die Reste der Wolke bildeten eine rotierende Materiescheibe (die sog. „protoplanetare Scheibe“) um den jungen Stern. Verdichtungen innerhalb der Scheibe ließen größere und kleinere „Molekülklumpen“ entstehen, die über Jahrmillionen zu kilometergroßen Gebilden heranwuchsen (Planetesimalen). Sie besaßen genug Masse, um durch Gravitation mit anderen Planetesimalen zu noch größeren Objekten zu verschmelzen – den Planeten.

Es gibt acht Planeten in unserem Sonnensystem. Nahe bei der Sonne entstanden Merkur, Venus, unsere Erde und der Mars. Sie sind Gesteinsplaneten mit einem metallischen festen Kern im Inneren und einer festen, felsischen Oberfläche.

Starker Sonnenwind der jungen Sonne blies die leichteren Elemente in die sonnenferneren Regionen. Dort entstanden die großen Gasplaneten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Sie bestehen überwiegend aus den Gasen Wasserstoff und Helium und nur einem kleinen Anteil schwerem Material (Gestein, Metall). Die schwere Materie konzentriert sich in den Kernen der Gasplaneten, während die leichten Gase dichte Atmosphären bilden.

Merkur ist der kleinste der acht Planeten und der Sonne am nächsten. Um sie einmal zu umrunden, benötigt er 88 Tage. Ohne nennenswerte Atmosphäre und mit Kratern übersäht ähnelt er unserem Mond, ist mit einem Durchmesser von rund 4880 km allerdings deutlich größer. Auf seiner Tagseite herrschen Temperaturen von +430°C, nachts sinken die Temperaturen auf eisige -170°C – die größten Temperaturschwankungen aller Planeten!

Die Venus ist der zweite Planet unseres Sonnensystems. Sie ist fast so groß wie die Erde und besitzt eine sehr dichte Atmosphäre. Treibhausgase in der Atmosphäre (die Venusatmosphäre besteht zu fast 97% aus Kohlendioxid, CO2) heizen die Oberfläche auf über +460°C auf. Schwefelsäure Tröpfchen (Aerosole) in den mittleren Atmosphärenschichten lassen eine undurchsichtige Wolkendecke entstehen, die die Venus komplett einhüllt.

Die Erde ist der dritte Planet von der Sonne. Ihre Position im Sonnensystem sorgt für angenehme Temperaturen und ausreichend flüssiges Wasser auf der Oberfläche. Sie ist nach heutigem Kenntnisstand der einzige Planet im Sonnensystem auf dem sich Leben entwickelt hat.

Mars ist der äußere Nachbar der Erde. Seine typische rote Färbung wird durch Eisenoxid-Staub (also „Rost“) verursacht, der seine Oberfläche bedeckt. Ab und zu wirbeln heftige Staubstürme den Marsstaub bis hoch in die Atmosphäre und können mitunter die gesamte Marsoberfläche verhüllen. An seinen Polen besitzt der Mars Eiskappen aus Wassereis und CO2-Eis, gewaltige Vulkane und tiefe Canyons prägen die äquatornahen Regionen seiner Oberfläche. Sonden haben herausgefunden, dass es vor langer Zeit flüssiges Wasser auf der Oberfläche das Mars gab, in dem – rein theoretisch – einfaches Leben hätte entstehen können.

An fünfter Stelle und etwa fünf Mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde folgt der größte Planet des Sonnensystems – der Jupiter. Seine dichte Atmosphäre wird von Breitengrad-parallelen hellen und dunklen Wolkenbändern beherrscht. Zwischen den Bändern blasen starke Winde (Jets) in östlicher und westlicher Richtung. Hier können ausgeprägte Wirbelstürme entstehen wie z.B. der sog. „Große Rote Fleck“ – ein schon mindestens 350 Jahre währender gigantischer Wirbelsturm in dem unsere Erde gleich 2-mal Platz hätte!

Jenseits des Jupiters zieht Saturn seine Bahn um die Sonne. Sein spektakuläres Ringsystem besteht aus µm- bis m-großen Eis- und Gesteinsbrocken und ist das mit Abstand größte im Sonnensystem (aber auch Jupiter, Uranus und Neptun haben Ringe!). 62 Monde umkreisen Jupiter, einige davon nahe oder sogar innerhalb der Ringebene. Sie verursachen größere und kleinere Lücken in den Ringen. Der größte Mond des Saturn, Titan, kreist außerhalb der Ringe in knapp 16 Tagen einmal um den Planeten und ist der einzige Mond im Sonnensystem mit einer dichten Atmosphäre. Sogar Flüsse und Seen gibt es auf dem Titan – in ihnen fließt allerdings kein Wasser, sondern flüssiges Methan (CH4)!

Uranus ist mit einer Sonnenentfernung von 2,9 Milliarden Kilometern der siebte Planet des Sonnensystems. Seine Atmosphäre, die schon wie die des Jupiters und Saturns hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium besteht, enthält in den oberen Schichten rund 2 Vol-% Methan. Es absorbiert einen Teil des einfallenden Sonnenlichtes, was die Uranusatmosphäre blaugrünlich scheinen lässt. Ungewöhnlich ist die Rotationsachse des Planeten: sie ist um über 97° verkippt, sodass Uranus gewissermaßen um die Sonne „rollt“. Durch diese ungewöhnliche Achsenstellung kann in der Nähe der Pole ein Sonnentag auf Uranus ein halbes Uranusjahr dauern.

Etwa 30-mal so weit wie die Erde ist Neptun von der Sonne entfernt. Der achte und äußerste der bekannten Planeten des Sonnensystems braucht stolze 164 Jahre für einen Umlauf um die Sonne. Methan-Gas in den oberen Atmosphärenschichten verleihen ihm, ähnlich wie Uranus, eine bläuliche Farbe. Ungewöhnlich ist das Ausmaß der meteorologischen Aktivität auf Neptun. Dynamische Stürme erzeugen Winde mit Spitzenwerten von 2100 km/h – das sind die höchsten jemals gemessenen Windgeschwindigkeiten im Sonnensystem!

 

Planetennamen:

Die Planeten wurden nach den Göttern der römischen und griechischen Mythologie benannt.

Merkur (röm. Mercurius), „Götterbote“, Gott der Händler und Diebe

Venus, römische Göttin der Liebe und der Schönheit

Mars, röm. Kriegsgott. Der Planet Mars erhielt seinen Namen aufgrund seiner rötlichen Färbung, die die Menschen mit Blut und Krieg in Verbindung brachten.

Jupiter, die oberste Gottheit oder Göttervater der röm. Religion

Saturn, röm. Gott des Ackerbaus

Uranus, griech. Gott der Elemente und des Himmels

Neptun, röm. Gott der Meere; seine Eltern waren der Mythologie nach Saturn und Rhea, seine Brüder Jupiter und Pluto

Das Wort „Planet“ selber stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Wanderer“ oder „umherschweifen“. Anders als die weit entfernten Sterne wandern die Planeten (sowie Sonne und Mond) im Jahresverlauf deutlich über den Himmel. Das beobachteten auch schon unsere Vorfahren und bezeichneten die wandernden Punkte am Himmel daher als „Planeten“.

Fotos: (c) NASA